kritische Inhaltsstoffe… Parabene

Oftmals liegt es im Trend, bestimmte Inhaltsstoffe zu verteufeln, man denke an Aluminium in Deos oder Silikone in Gesichtsprodukten. Ich bin immer der Meinung, man soll selbst zu den Quellen gehen und erst dann eine persönliche Bewertung abgeben und so habe ich mich ein wenig damit befasst und schnell gemerkt, dass die Sache weitaus komplizierter ist und dass eine reine schwarz-weiß Malerei hier fehl am Platze ist.

In diesem Post geht es um Parabene. Diese stehen im Verruf, hormonell wirksam  zu sein und sogar die Entstehung von Brustkrebs zu fördern, weshalb immer öfter der Slogan „paraben-free“ auf den Verpackungen zu lesen ist. Doch was sind Parabene und wieso sind diese so zahlreich in Kosmetika vertreten?

Doch vorher: ich bin kein ausgebildeter Spezialist und gebe nur das weiter, was ich mir angelesen habe!

was sind Parabene und wofür sind sie gut?

Bei diesem Stoff handelt es sich um eine chemische Verbindung (Ester) der para-Hydroxybenzoesäure. Dieser Stoff ist bereits seit vielen Jahrzehnten im Einsatz, nicht nur in Kosmetika (eines oder mehrere der Parabene befinden sich in jedem 4. Kosmetikprodukt), sondern auch in Arznei- und Lebensmitteln, Tabak u. Ä. zwecks Vermeidung von Keimbefall, also als Konservierungsmittel. Denn wenn Produkte mit der Haut in Kontakt kommen, werden Mikroorganismen von der Hautoberfläche in die Creme übertragen, die das Produkt nach kurzer Zeit verkeimen lassen. Also muss ein Schutz her, um diese Keime abzutöten: Parabene.

Speziell im Bezug auf Kosmetika werden folgende Parabene genutzt: Methyl-, Ethyl, Propyl- und Butyl­parabene, die letzteren seit 2015 in Kinderkosmetik verboten. Einige andere Parabene, die ich bewusst ausgelassen habe, sind nicht zugelassen, da ihre gesundheitliche Wirkung nicht „hinreichend untersucht“  ist. Die erlaubte und somit sichere Konzentration dieser Stoffe wird in der EU-Verordnung geregelt (einzeln 0,4%, bei Estergemischen zusammen 0,8%).

Die Kontroverse

Parabene zeigten bei Tests östrogene Wirkungen, können also den Hormonhaushalt beeinflussen und begünstigen die Entstehung von Brustkrebs, so eine umstrittene Studie. Doch das Bild ist uneinheitlich. Während bei einer Studie durchaus hormonelle Wirkung sowohl bei weiblichen als auch bei männlichen Ratten und Mäusen nachgewiesen wurde, verzeichnete eine andere Studie keine solche Wirkung. Dabei ist zu beachten, dass jeweils verschiedene Mengen des Stoffes genutzt wurden (niedrigste Dosis -> Effekt, große Dosis -> kein Effekt) und diese Mengen immer noch um den Faktor 1000 geringer sind, als physiologisches Östrogen. Es wird darauf hingewiesen, dass Menschen und Nager ganz anders auf den Stoff reagieren. So „verarbeiten“ Nager den Stoff schnell, während beim Menschen dieser in Blut und Urin nachweisbar ist, besonders bei Frauen (siehe dazu die Studie „Urinary Concentrations of Four Parabens in the U.S. Population“, Link unten) d.h. im Klartext, dass dieser Stoff im menschlichen Körper nicht vollständig abgebaut wird.

Alternativen für Parabene?

Um ganz drauf zu verzichten, werden andere Konservierungsstoffe beigefügt die weitaus sensibilisierendere Eigenschaften besitzen, als Parabene. Dies sind:

  • Alkohol
  • Anissäure
  • Phenoxyethanol
  • Formaldehyd (FA) bzw. Formaldehydabspalter
  • Methylchlorisothiazolinon/Methylisothiazolinon (MCI/MI)
  • Iodpropinylbutylcarbamat (IPBC)
  • Methyldibromglutarnitril (MDGBN), mittlerweile verboten

Übrigens der Stoff MCI/MI, welcher gerne von einigen großen Firmen verwendet wird, hat ein fünfmal höheres Allergierisiko als Parabene. Mittlerweile ist dieser in Kosmetika, die auf der Haut verbleiben, verboten. Bei Kosmetika, die abgewaschen werden (Seifen, Schampoo, Duschgel…) aber nicht.)

(für die unterschiedlichen Häufigkeiten möglicher allergischer Reaktionen dieser Stoffe, siehe Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung, Link unten)

Fazit

Die Wirkung von Parabenen auf Menschen ist nicht hinreichend geprüft, dass man von einem generellen Verbot sprechen sollte. Die hormonelle Wirkung – besonders im Bezug auf Brustkrebs – ist umstritten, da die Studie dazu undurchsichtig ist. Die Konzentration dieses Stoffes in Kosmetika ist sehr gering, nur so groß, dass die gewünschte keimhemmende Wirkung gegeben ist und sie ist immer gesetzlich stets festgeschrieben. Fakt ist aber, dass Parabene von der Haut gut vertragen wird im Gegensatz zu seinen Ersatzstoffen, die weitaus größeres allergisches Potenzial haben. So ist es einem selbst überlassen, ob man diesen Stoff verwenden möchte, verteufeln sollte man ihn so schnell aber nicht.

Ich lege im Folgenden nur meine eigene Meinung dar, keiner muss sich dieser anschließen. Jeder sollte sich selbst fortbilden und seine persönliche Meinung bilden!

Nach dem Gelesenen hat sich meine Meinung, Parabene aus der Pflege auszulassen, nicht geändert. Mir ist die Sachlage einfach zu schwammig und zu wenig untersucht. Wenn ein Stoff hormonähnlich wirkt und auch zumindest bei Nagern zu wirken scheint und hinzukommende sogar noch im Körper nachweisbar ist, dann möchte ich diesen nicht benutzen. Zumal stellen sich mir folgende Fragen: Wenn man mehrere parabenhaltige Kosmetika täglich benutzt, hat man auch eine größere Konzentration im Körper und wie ist dann die Wirkung? Wie verhält es sich mit Wechselwirkungen mit anderen Stoffen? Wie beeinflussen diese die Umwelt, insbesondere die Fauna? Wie ist die Lobby-Arbeit und die Industrie bei der EU-Richtlinie beteiligt gewesen? Wieso muss eine Creme überhaupt ein Jahr lang haltbar sein, (hier ein interessanter Test bezüglich Keimbelastung in Cremes)? Für mich zu viele Fragezeichen…

Zum Schluss ein Auszug einer Stellungnahme des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zur Anregung:

“ (…) Die geschätzte tägliche Aufnahme im Rahmen der Kosmetikanwendung liegt im ungünstigsten Fall bei 50 mg pro Person. Über die Nahrung nimmt der Verbraucher täglich geringe Mengen an Parabenen zu sich (schätzungsweise 1,5 mg Methyl- und Propyl-Paraben). Über Pharmazeutika können im ungünstigsten Fall nochmals 25 mg pro Tag aufgenommen werden (insgesamt also ca.77 mg/Tag pro Person bzw. ca. 1 mg/kg KG). Die FAO/WHO setzte 1974 eine duldbare tägliche Aufnahmemenge (ADI, acceptable daily intake) von 0-10 mg/kg KG fest. Neuere Angaben wurden von FAO/WHO nicht publiziert (…).“

weiterführende Links:

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